Die graue Stadt

Wir, mein Freund, der Schwarz-Weiß-Wal und ich, das Kätzchen Schubidu, hatten schon viel von ihr gehört. Aber als wir die Graue Stadt mit eigenen Augen sahen, bekam ich sofort ein graues Schnurrbarthaar und der Schwarz-Weiß Wal wurde an einer winzigen Stelle am Bauch grau, so grau war die Graue Stadt. Wir fürchteten uns nicht, nein, denn wir hatten schon soviel gesehen und erlebt: das Brennende Dorf, das Schwarze Meer, die Versunkene Stadt und noch viel viel mehr. Jetzt wollten wir die Graue Stadt erkunden und ein neues Abenteuer bestehen.
Wie zum Empfang stand ein großer, langer Leiterwagen am Strand. Schwupp, flog mein Freund der Schwarz-Weiß-Wal mit der nächsten hohen Welle direkt auf den Leiterwagen. Katzen- und Wallieder singend kamen wir in die Graue Stadt. Das gab natürlich ein großes Aufsehen. Da zog ein kleines, weißes Kätzchen einen Schwarz-Weiß-Wal, auf einem großen Leiterwagen durch die Graue Stadt. Die Menschen in ihren grauen Häusern sahen aus ihren grauen Wohnungen, mit grauen Gesichtern und grauverschleierten Augen und sperrten sofort wieder Türen und Fenster zu. Dahinter hörte man sie in einer gräulichen Sprache Selbstgespräche führen. Vielmehr sie sprachen nicht, sie stießen unverständliche Laute von sich, wie ”Glipr, tzar, drup, laf, dir, gön, gjo”.
Ich klopfte an eine Tür, die Tür wurde abgeschlossen. Der Schwarz-Weiß-Wal hob mich mit einem Wasserstrahl aus seinem Luftloch so hoch, dass ich in ihre grauen Wohnungen sehen konnte. Freundlich versuchte ich mit den Graunern zu reden, die gerade ihre Fensterläden herunterließen. Die Grauner hörten nicht zu, verzogen ärgerlich ihren grauen Mund und machten schnell ihre grauen Häuser dicht.
”Denen fehlt Farbe!”, sagte der Schwarz-Weiß-Wal.
Ich sah mich um, der Schwarz-Weiß-Wal hatte recht, war hier doch alles ein Grauerlei, selbst der Himmel grau, die Blumen grau und sogar die Sonne blieb grau den ganzen Tag über.
”Wir könnten ihnen die Häuser streichen!”, sagte der Schwarz-Weiß-Wal.
”Und dann ein großes Fest mit Lampions, Erdbeer- und Vanilleeis, bunten Pappnasen und großem Feuerwerk!”, jauchzte ich.
Uns entgegen kam aber nun eine Frau in grauer Uniform, mit grau glänzenden Orden, neben ihr lief ein dicker Mann. Wir mußten laut lachen, als ob uns eine dünne und eine dicke Kartoffel entgegenpurzelte.
”Grr, um, di, gr, uli, da-dr-gjo”, raunte die Frau, und graue Orden wackelten an ihrer Brust.
”Wie ihr hier hergekommen seid?”, übersetzte der dicke Mann.
”Vom Meer kommen wir und wollen die Welt sehen, die Menschen kennenlernen, mit ihnen reden und tanzen.”, sagte ich.
”Uff, di did uffgrr, drr, grr, brr, gra!!”, sagte die graue Frau.
”Ihr seid hier nicht willkommen, verschwindet!”, übersetzte der dicke Mann und kratzte sich am dicken Bauch.
”Ihr kommt von zu weit, vom Meer, das riecht man schon. Und wie ihr überhaupt aussieht. Könnt ihr euch nicht einmal anständig grau anziehen. Und eure Gesichter weiß, wie seit einem Jahr nicht mehr gegraut. Verschwindet hier, sonst…”
Die graue Frau hatte inzwischen all ihre Orden zu einer Pistole zusammengebastelt, eine grau gefüllte Kugel aus ihrem Mund genommen, geladen, zielte auf den Schwarz-Weiß-Wal und drückte ab. Ein grauer Strahl traf den Schwarz-Weiß-Wal. Grau, alles grau, der ganze Schwarz-Weiß-Wal grau.
Schnell wie der Wind nahm ich die Schnur des Leiterwagens in mein Maul, zog den Leiterwagen mit meinem Freund, dem Wal hinter mir her, bis ich außer Atem wieder am Meer stand. Bewegungslos, ja wie tot lag der Schwarz-Weiß-Wal auf dem Leiterwagen, wollte und wollte nicht von selbst in das Meer rutschen. Seine Augen grau verschleiert.
”Traurigkeit, tr, ddar, gr, tie”, weinte der Schwarz-Weiß-Wal.
Schnell, ganz schnell ließ ich den Leiterwagen in das Meer gleiten, die nächste Welle nahm ihn mit, das Meer sprudelte grau, graue Wellen brandeten und ließen grauen Strand zurück. Ich sah meinen Freund bereits nicht mehr, so grau war das Meer geworden. Stunde um Stunde sah ich in das Meer. Dann weinte ich, weinte um meinen armen Freund, den Schwarz-Weiß-Wal, der im grau gewordenen Meer verschluckt blieb. Schon wurde mein weißes Fell an einigen Stellen grau.
Plötzlich schäumte das Meer, blubberte und schließlich rülpste es auch noch. Doch das Rülpsen kam vom Schwarz-Weiß-Wal, der mit seiner weißen Walschnauze das graue Meerwasser durchstieß.
“Ich hab’ jetzt genug von dieser ganzen Traurigkeit!”, sagte der Schwarz-Weiß-Wal und rülpste gleich dreißig mal hintereinander. “Verzeihung, aber mir ist das ganze Grau so über geworden, das ich davon rülpsen muß.”
Und so rülpste der Schwarz-Weiß-Wal noch die ganze Nacht über, dazwischen erzählte er, wie grau es ihm war als er grau geworden war und einsam im grauen Meer liegen mußte.
Am nächsten Morgen war er wieder ganz der alte Schwarz-Weiß-Wal, kein bißchen Grau um die Flossen und schon sang er wieder sein altes Wallied.
“Wir lieben das Meer und die Erde
fliegen über den Mond und die Sonne
und haben uns alle so gerne.
Deshalb singen wir alle zusammen:
Wir lieben das Meer und die Erde
fliegen über den Mond und die Sonne
und haben uns alle so gerne
Verivariwin, kingelklingelklong
ratazitabin, schnatterkitterdong
und haben uns alle so gerne.”
Und ich schnurrte, maunzte und fauchte dazu, gerade wie ein hundertköpfiges Orchester, mit Geigen, Pauken und Trompeten.
“Und jetzt laß’ uns die Häuser in der Stadt farbig streichen: sonnengelb, knallrot und lila auch!”
“Und himmelblau und walweiß und noch viel mehr!”, freute sich der Schwarz-Weiß-Wal und rülpste ein letztes Mal.
So verbrachten wir den nächsten Tag damit Farben anzurühren. Der Schwarz-Weiß-Wal nahm aus der Tiefe des Meeres die blaue Farbe. Wir zerrieben Gras für Grün, stampften rote Tollkirschen ein für Rot, rührten Gelborange bei Vollmond an und sonnengelb am Mittag auf dem offenen Meer. An Land mischten wir die Farben miteinander. Denn die ganze Grau Stadt sollte leuchten wie ein Leuchtturm und farbenfroh wie ein Regenbogen sein.
Gleich beim nächsten Sonnenaufgang zogen wir los. Der Schwarz-Weiß-Wal hatte sich so klein wie möglich auf dem Leiterwagen gemacht, damit all die Farbeimer Platz hatten, manche hatte er sogar in sein Riesenmaul genommen. Schon verschlossen sich Türen und Fenster in den grauen Straßen. Es machte “Grum”, es machte “Grasch”. Ein grauliches Spektakel, das mit den grauen Lichtern am Straßenrand nicht besser wurde, auch nicht mit der grauenhaften Musik, die aus den Lautsprechern über den Straßenlaternen kam, wohl um die Grauner aus dem Schlaf zu reißen. Es machte “Wirk abiqurrs, wrrskrksls”, ein furchtbarer Krach, schlimmer als kratzende Fingernägel auf einer Kreidetafel.
Aber der Schwarz-Weiß-Wal und ich, das Kätzchen Schubidu, blieben in der grauen Stadt, wir hatten keine Angst. Wir strichen bereits das elfte Haus, strichen die Fensterläden, die Fassade und die Tür -aber hoppla, da strich der Schwarz-Weiß-Wal versehentlich gleich einen Grauner mit, der gerade aus der Tür wollte.
“Ausgerechnet heute!”, sagte der Grauner.
“Wie?”, staunten wir, “Sie sprechen ja gar nicht graulich!”
“Ausgerechnet heute! Wo ich doch heute bei Müller-Schmidt sein muss. Hab alles getan, was zu tun ist. Und jetzt das!”
“Wir können Sie auch wieder grau streichen -wenn Sie wirklich möchten!”
Denn der Grauner war über und über sonnengelb, mit einem Strich himmelblau auf der Nasenspitze.
“Nun jetzt ist es so, wie es ist. Muß ich eben bis morgen warten, bis ich wieder grau bin.”, und wollte schon wieder in sein Haus zurück.
“Nein, nicht doch. Warten Sie. Wieso sprechen Sie wie wir?”
“Ich spreche nicht wie ihr, ich bin ein Grauner, und Grauner, das weiß jeder Grauner, sprechen nicht so wie die anderen. Grauner sind grau, die anderen sind anders. Sonst noch was?”
“Und war hier schon immer alles grau?”
“Was für eine Frage! Das kann nur von einem anderen kommen. Grau sind wir, grau ist unsere Farbe. Grau ist alles was wir haben, was wir möchten, was wir können. Grau ist einfach unsere Lieblingsfarbe. Das sagte uns Herr Müller-Schmidt bei unserer Geburt und sagt es uns beim Gebet, sagt es auf unseren Grauweihen, den Grauzeiten, den Graufesten und auch noch wenn wir krank oder im sterben liegen. Grau ist des Grauners Farbe. Grau: das sind wir. Noch was?”
“Wer ist Herr Müller-Schmidt?”
“Herr Müller-Schmidt ist der Ehemann von Frau Müller-Schmidt. So, das ist aber jetzt genug!”
Und damit verschwand der Grauner wieder in sein Haus, das schon sehr sonnengelb war. Denn wir hatten das Haus von unten bis oben sonnengelb gestrichen, die Türen, Fenster und das Dach himmelblau.
“Ich glaube wir müssen auch die Grauner streichen.”, sagte der Schwarz-Weiß-Wal. “Du Schubidu, die sprechen nur so grauenvoll weil sie grau sind. Aber ich hab’ ihn über und über sonnengelb angemalt, und auf der Nasenspitze himmelblau. Deshalb hat er wieder reden können -nicht wahr Schubidu?”
Ja, das stimmte. Was nutzen den Grauner farbige Häuser wenn sie selbst grau blieben? Häuser anstreichen ist ja leicht. Aber wie streicht man Menschen. Die laufen weg, wenn sie angestrichen werden sollen. Bestimmt würden die Grauner weglaufen, wenn man sie kirschrot oder pfefferminzgrün anstreichen wollte. Und so würden sie immer grau bleiben. Wäre das nicht traurig?
Und so saßen wir vor dem frisch gestrichenen, sonnengelben Haus und grübelten darüber wie wir die Grauner farbig streichen könnten. Die grauen Straßenlaternen erloschen nach und nach, die Grauner strömten zu ihrem Grauwerk. Überall war graue Stille, die Grauner unterhielten sich nicht. Erst als ich mit dem sonnengelben Pinsel einem Grauner zuwinkte, zuckte dieser zusammen und stammelte “Kqrk, wrg”. Ich winkte ihm fröhlich mit den Pfoten zu, da flutschte ein sonnengelber Klecks auf das Ohr des Grauners.
“Ihgitt!”, machte er da, und “Arghh!”, dann “Ja sowas albernes aber auch!”
“Ui!“, freute ich mich, „Ein Klecks Farbe reicht aus!”
“Was macht ihr denn für Ferkeleien?”, grummelte der Grauner ganz grimmig.
“Wir möchten mit euch ein farbenfrohes Fest feiern!”
“Wir aber nicht. Das sage ich euch, wenn das Müller-Schmidt zu seinen grauen Ohren kommt, dann Gnade euch.”
“Wie heißen Sie?”, fragte der Schwarz-Weiß-Wal, dem nichts anderes vor Schreck einfiel.
“Ich heiße überhaupt nicht, wir heißen hier überhaupt nicht. Es gibt hier nur einen, der heißt, das ist Müller-Schmidt!”, und damit verschwand er im Grau des beginnenden Tages.
“Was nutzt es, wenn die Grauner wie wir sprechen, aber immer noch nicht froher sind?”
Der Schwarz-Weiß-Wal hatte aufgehört die Fenster abendrot anzustreichen und sah mich mit seinen kleinen Walaugen nachdenklich an.
“Gehen wir zu Müller-Schmidt.”, sagte er.
Und so ließen wir die Farbeimer, bis auf einen kleinen sonnengelben, den wir mitnahmen, stehen, und begannen in allen Gassen und Straßen nach Müller-Schmidt zu fragen. Zunächst tupften wir die Grauner sonnengelb an, bis diese Antwort gaben. Doch alle sagten das Gleiche.
“Müller-Schmidt wohnt in der ersten Etage, gleich neben mir.”
Und wir gingen zur Nachbarwohnung, klopften an, tupften den Grauner sonnengelb an -und wieder “Müller-Schmidt wohnt gleich nebenan in der ersten Etage!”
Dazu muß man wissen, das alle Grauner Häuser nur in der ersten Etage mit einer Grauner Familie oder gar nur einem einzigen Grauner bewohnt sind. Zwar sind die Häuser oft vier -oder fünfstöckig, aber immer ist nur die erste Etage bewohnt. Selbst das Erdgeschoß ist unbewohnt. Und so gingen wir von Haus zu Haus. Und die Stadt ist groß. So waren wir nicht einmal ein Straßenzug von tausenden gegangen, hatten gefragt, mit sonnengelber Farbe einige Grauner angetupft, doch immer nur die gleiche Antwort bekommen, da sahen wir voller Schrecken eine Kolonne Arbeiter mit Grauspritzen die bunten Häuser wieder grau machen.
“Wissen Sie wo Müller-Schmidt zu finden ist”, fragte ich die Arbeiter.
“Erste Etage, gleich neben meiner Wohnung.”, schrieen die Arbeiter im Chor und spritzten weiter grimmig graue Farbe auf die Häuser.
“Uff!”, sagte der Schwarz-Weiß-Wal, “Ich will wieder in mein blaues Meer, bunte Fische sehen, und eine Abendsonne ohne graue Häuser.”
Alle Häuser waren wieder grau, selbst unsere Farbeimer waren grau, die abendrote Farbe war grau, das himmelblau war grau, selbst das sonnengelb: grau, grau, fürchterlich graugrau. Nun hatten wir nur noch einen einzigen Farbeimer mit sonnengelb, den ich im Maul meines Freundes in Sicherheit gebracht hatte.
Aus einem der grauen Häuser kam wieder die Frau mit ihren grauen Orden und ihr Übersetzer, der dicke Mann.
“Habt ihr nun endlich genug?”, fragte der dicke Mann, und die Frau begann bereits wieder ihre Orden zu einer Pistole zusammenzubasteln.
Der Schwarz-Weiß-Wal war aber nun ganz rot angelaufen, er war wütend, da war sie also diese Frau, die ihn traurig gemacht hatte. Und mit einem Schwung überschüttete er die Frau mit ihren Orden und den Mann mit seinem dicken Bauch mit der sonnengelben Farbe.
“Müller-Schmidt!”, riefen die beiden Grauner, “Müller-Schmidt, wir haben alles getan für dich. Nun geht es zu Ende. Müller-Schmidt, wir waren treue Kameraden, Müller-Schmidt wir danken dir.”, und wollten sich zum Sterben mit der Nase voran auf den Boden werfen. Aber natürlich stirbt man nicht von sonnengelber Farbe. Und so wehklagten sie noch eine ganze Weile, riefen “Müller-Schmidt … Müller-Schmidt …”, aber Müller-Schmidt kam und kam nicht.
Uns wurde es bald zu langweilig, da wehklagten die zwei, die aussahen wie eine dünne und eine dicke Kartoffel und wollten und wollten nicht aufstehen und wollten natürlich auch nicht fröhlich sein. Und so gingen wir wieder ans Meer. Der Schwarz-Weiß-Wal tauchte ein wenig im Meer, denn er war schon wieder ein wenig traurig geworden, rülpste ab und an, und nahm mich dann in sein Maul, indem ich wie jede Nacht schlief.
Am nächsten Morgen war der Strand voll mit Grauner. Ich ging schnell wieder in das Maul meines Freundes, doch er begann jämmerlich zu rülpsen, und ich mußte nach draußen. Und dort standen sie, tausende und abertausende Grauner, keiner war vom anderen zu unterscheiden, so grau waren sie.
„Ich bin Müller-Schmidt und ich möchte, daß sie von hier verschwinden!“, sagten die Grauner, Männer wie Frauen, im Chor. Keiner sagte das etwa lauter oder leiser, in einem anderen Tonfall, nein, alle hörten sich gleich an. Sie gerieten nicht außer Atem, wiederholten es minutenlang.
„Ich bin Müller-Schmidt. Entweder sie verschwinden oder sie werden grau. Grau ist schön. Sei ein Grauner wie ich.“, und tausende und abertausende Farbeimer mit grauer Farbe purzelten, rollten und stießen auf uns. Wieder brodelte und schäumte das Meer grau. Der Schwarz-Weiß-Wal wurde traurig, ich wurde traurig. Doch bevor wir ganz grau wurden, konnte mein Freund, der Schwarz-Weiß-Wal uns gerade noch ins offene Meer retten. Vier Tage und Nächte rülpsten wir, so über war uns das Grau, diese Traurigkeit der Grauner. Jetzt hatten wir erst einmal genug von der Grauner Traurigkeit und suchten das offene Meer.




Prinz Wewa und das Meer

Mein Freund, der Schwarz-Weiß-Wal, und ich das Kätzchen Schubidu, wollten endlich einmal Urlaub machen. Unser letztes Abenteuer in der Antarktis (Die Rettung des Eisbären ‚Brrarr‘) hatte uns die letzten Kräfte gekostet. Mein Freund der Schwarz-Weiß-Wal wollte seinen schwarz-weißen Bauch von der Sonne bräunen lassen, und ich Fellpflege machen. Wir fragten die umherfliegenden Fliegenden Fische wo es zu dieser Jahreszeit -es war gerade März- am allerwärmsten ist. Die Fliegenden Fische verschwanden im Meer, tauchten wieder hervor und flogen schnurstracks auf uns zu. Ein Fliegender Fisch, der Willi Flifisch, setzte sich auf den Kopf meines Freundes und plauderte.
»Tschi tscha tschu, die Fische fliegen wie ein Floh. Ihr wollt wissen wo es am allerwärmsten ist, so müßt ihr ganz weit fort schwimmen. Tari, taru, tara, das Meer ist tief, das Meer ist blau. Tala, tula, tehli, ich bin der Fli-fla-floh-Fisch. Kennt ihr eigentlich schon die Geschichte von meinem Uropa Wilhelm Fliflo? Mein lieber Uropa Wilhelm Fliflo nämlich flog eines Tages auf den Mond und… «
»Jetzt mach mal halblang!«, sagte ich zu dem geschwätzigen Willi Flisch, „Sag‘ uns wo es am aller-allerwärmsten ist, wo mein Freund der Schwarz-Weiß-Wal seine Flossen wärmen kann und ich mein Fell putzen?“
Doch da gluckste Willi Flisch beleidigt, flutschte schon wieder in das tiefe Meer und verschwand.
„Laß die doch alle!“, sagte mein Freund der Schwarz-Weiß-Wal, „wir kommen auch alleine klar“, und stubste liebevoll meine kalte Nase.
Also schwammen wir weiter, das heißt mein Freund der Schwarz-Weiß-Wal schwamm und ich verkroch mich in das Walhaus. So ein Wal ist in seinem Inneren nämlich äußerst bequem und warm. So rutschte ich den Wal-Kopf herab, in sein Maul und ging auf allen Vieren in seine Rachenhöhle, und weiter in seinen geräumigen Magen wo ich bald einschlief.
Früher Morgen und wir schwammen ganz alleine auf dem großen Meer. Zum Glück hatten wir ja uns, ansonsten hätten wir uns beide sicherlich ganz alleine gefürchtet. So leckte ich den lieben Schwarz-Weiß-Wal über seine Haut und leckte dabei gleichzeitig ein wenig Lebertran zum Frühstück.
Doch wo waren wir? Die Eisberge lagen zwar schon lange hinter uns, doch auch kein Land war zu sehen und die müde Sonne wärmte uns kaum.
Ich rief eine vorbeifliegende Lachmöwe herbei.
„Liebe Lachmöwe Hahihu wie kommen wir zum wärmsten Ort?“
„Hahi, hahiu, hahahihu“, lachte die Möwe und kreiste weiter über uns, „hai, haihu, warm ist es hier oben, je näher -hahi, hahuhi- je näher du der Sonne kommst, hahihuhahihu.“, und schon flog sie selbst der Sonne entgegen und verschwand.
„Wir haben uns“, sagte ich meinem Freund dem Schwarz-Weiß-Wal, „laß‘ die anderen weiterziehen, wir werden den wärmsten Ort auf Erden schon noch finden!“
Es wurde schnell dunkel. Die schläfrige Sonne deckte sich zu und dafür kam ihr Freund der Mond. Doch auch der lustige Mond hatte sich in dieser Nacht sehr fest zugedeckt und einzig eine kleine Sichel war noch von ihm zu sehen.
„Wie sollen wir bloß den wärmsten Ort auf Erden finden?“, fragte ich den Schwarz-Weiß-Wal.
„Die Nacht ist so dunkel, ich kann im Dunkeln so schlecht nachdenken!“, antwortete mein Freund.
„Aber so schwarz wie bei unserem Abenteuer im schwarzen Fels ist es noch nicht. Den damals…“
„Schwarz“, unterbrach er mich -was ansonsten nicht seine Art ist- „Schwarz, du sagst es, es gibt so ein Schwarzes Meer, von dem ich einmal gelesen habe, dort soll es warm sein -glaube ich.“
„Das Schwarze Meer also. Gibt es auch das Grüne, das Gelbe oder das Lilane Meer?“
„Natürlich. So wie es gelbhäutige, dunkelhäutige und weiße Tiere gibt!“, trompetete der Schwarz-Weiß-Wal über das Meer.
„Ui, das ist ja toll. Dann laß uns in das Lilane Meer schwimmen!“
„Das Lilane Meer? Aber ich mag lieber in das Schwarze Meer!“
„Bloß weil du schwarz-weiß bist! Ach, laß uns doch ins Lilane Meer schwimmen, oder wenigstens in das Gelbe Meer!“
„Nein, nein ich will in das Schwarze Meer!“
„Und ich in das Lilane!“
„Das Schwarze!“
„Nein, nein das Lilane, oder zumindest in das Grüne!“
Und so wäre es sicherlich noch Stunden gegangen, wäre nicht plötzlich ein Delphin aufgetaucht.
„Ich bin Delphi, was für ein Problem habt ihr denn?“
„Ich will ins Lilane Meer!“
„Und ich unbedingt ins Schwarze Meer!“
Der Delphin legte seine schnabelartige Schnauze auf die linke Flosse des Schwarz-Weiß-Wal und überlegte.
„Wer hatte als erster die Idee?“
„Naja“, druckste ich herum, „der Schwarz-Weiß-Wal, aber ich…“
„Es ist nun gut!“, sagte der Delphin, man hörte eine kleine hohe Melodie, wie von einer Geige, bevor er wieder in den unendlichen Tiefen des Meeres verschwand.
Also schwammen wir zum Schwarzen Meer. Der Schwarz-Weiß-Wal wußte zwar nicht einmal den genauen Weg dorthin -wären wir bloß in das Lilane Meer geschwommen- doch von Tag zu Tag wurde das Meer dunkler, und wir konnten hoffen das Schwarze Meer in zwei Tagen erreicht zu haben.
Bereits am nächsten Tag war das Meer tiefschwarz. Unter uns konnten wir keinen einzigen Fisch erkennen so schwarz war es. Die Sonne war hier wirklich schön warm und der Schwarz-Weiß-Wal konnte sich sonnen und ich mein Fell sauber machen.
Die Sonne streichelte uns müde und bald schliefen wir ein. Ich träumte gerade von Schokolade und Marzipanmäusen, da schrak ich auf. Ein Schwarm Sardellen platschte gegen die Haut meines Freundes, dem Schwarz-Weiß-Wal. Alle durcheinander sprachen, sangen und zirpten die Sardellen. Ich konnte nichts, aber auch überhaupt nichts verstehen. Doch dann sprachen sie nach wenigen Minuten klar und deutlich im Chor:
„Bleibt nicht hier, hier lebt Prinz Wewa. Das Meer ist schwarz, schwärzer noch die Seele Prinz Wewas. Schwimmt davon, schnell, sonst seid ihr verloren. Nicht mehr lange und euch wird bange bei Prinz Wewa und euren Tränen.“
Und die Sonne tanzte dabei auf ihren Schwarzhäuten. Das hätte mir gut gefallen, wäre nicht die Warnung der Sardellen gewesen. Wieso schwarze Seele von Prinz Wewa? und wieso sollten wir davonschwimmen? Ha, wir haben keine Angst, wir sind Abenteurer, wir…Wieso ist der Sardellenschwarm so plötzlich verschwunden? Ich bekam es langsam aber sicher mit der Angst zu tun.
„Schwarz-Weiß-Wal! Schwarz-Weiß-Wal: öffne dein Maul, ich will ganz schnell in das Wal-Haus zurück?“
„Aber warum denn?“, gähnte mein Freund.
„Ich hab‘…mir ist plötzlich so kalt!“
Der Schwarz-Weiß-Wal schaute mich mit seinen kleinen blauen Augen an und stieß eine Wasserfontäne aus seinen Nasenlöchern.
„Schubidu, was ist denn bloß los?“
„Ich hab‘…da war… also der Sardellenschwarm!“
Und ich erzählte meinem Freund atemlos vom Sardellenschwarm und ihrer Warnung vor Prinz Wewa.
Vor lauter Schreck tauchte mein Freund, der Schwarz-Weiß-Wal, plötzlich unter und ich platschte in das Schwarze Meer. Es war nicht sehr kalt. Und mein Freund tauchte auch gleich wieder auf, nahm mich huckepack auf seine Walfischhaut und blinzelte mir verstohlen mit seinen kleinen blauen Augen zu. Aber was sah ich da? Mein schönes weißes Fell war schwarz geworden, schwarz wie die Nacht, wie ein Rabe, wie Kohle. Ich leckte daran und es ging nicht und wieder nicht ab. Ich konnte nicht anders und mußte ganz schrecklich miauen.
„Du Schupidu,“, sagte mein Freund, der Schwarz-Weiß-Wal, „das wird wieder -bestimmt, und überhaupt gefällst du mir auch wenn du schwarz bist. Du weißt doch es gibt weiße, schwarze, gelbe Tiere, und das Grüne, Gelbe, Lilane und eben das Schwarze Meer. Nun sei nicht mehr traurig.“
Doch ich blieb traurig, seine Worte konnten mich nicht trösten.
„Sieh doch, auch ich bin ganz schwarz geworden.“, sagte der Schwarz-Weiß-Wal und zeigte mir seine ehemals schwarz-weiße Walhaut.
„Ganz lustig siehst du jetzt aus.“, sagte ich.
„Du auch!“, sagte mein Freund.
Und wir mußten ganz furchtbar lachen, lauter als die Lachmöwe Hahihu, lauter als ein ganzer Schwarm Lachmöwen -jawohl.
Mit einem ungeheuren Schrei tauchte vor uns urplötzlich ein weißer Wal auf. Wie war der denn weiß geblieben, fragte ich mich noch, da war dieser weiße Wal, der sicherlich länger war als zehn Lastwagen, schon unter meinem Freund, dem Schwarz-Weiß-Wal und zwickte ihm in die rechte Flosse. Wie ein Sirene heulte da mein Freund auf. Um meinen Freund zu trösten legte ihm erst einmal eine Pfote auf seinen Kopf, doch er heulte weiter.
„Ich bin Prinz Wewa, was macht ihr in meinem Reich, hier dürfen nur weiße Tiere leben, weiß wie ich, ich Prinz Wewa.“
„Aber lieber Prinz Wewa, wir waren weiß bevor wir hierher kamen, wie ihr, wir können überhaupt nichts dafür, daß wir jetzt schwarz sind, das macht alles nur das Schwarze Meer! Und was macht das schon, ob weiß oder schwarz?“
„Ich bin Prinz Wewa. Ich bin weiß und ihr seid schwarz. Ihr dürft hier nicht sein, deshalb werde ich euch entweder ertränken, auffressen, vierteilen oder einfach bloß einsperren zu den anderen schwarzen, unansehnlichen Tieren -pfui wie häßlich ihr seid!.“
Und eine Armee aus weißen kleinen Walen kreiste uns ein, und wir mußten ihnen folgen.
Tatsächlich sperrte man uns ein. In einem Gefängnis aus weißen Gittern, umrankt von weißem Seetang, gab es noch viele andere Tiere. Und all diese Tiere waren schwarz. Schwarze Krebse, schwarze Seeigel, schwarze Sesterne, schwarze Delphine, schwarze Wale, schwarze Fische aller Arten.
„Hat er euch schon einen Termin gesagt?“, fragte uns eine kleine, schwarze Krabbe.
„Was für einen Termin?“, fragte ich.
„Wann ist die Urteilsverkündung?“
„Urteilsverkündung“, sagte ein schwarzer Delphin, „wenn ich das schon höre, hier gibt es kein Gerichtsverfahren. Wir müssen selbst etwas tun. Wir müssen uns wehren, nicht einfach vor uns hinschwimmen!“
„Nein, nein, ein gerechtes Urteil!“, sagte die Krabbe.
„Sei still Oporti!“, sagte der Delphin, „Und wer seid ihr“
„Schwarz-Weiß-Wal, bitteschön!“, antwortete mein Freund.
„Schubidu, das Kätzchen Schubidu bin ich -und du?“
„Ich bin die Delphin-Dame Kadesch!“
„Wie lange bist du schon hier, was macht ihr alle hier, warum sind wir hier, was wird aus uns?“, fragte ich.
„Alles der Reihe nach, liebes Kätzchen.“, sagte Kadesch, „Ihr müßt noch viel lernen, wenn ihr wenigstens ein klein wenig länger hier überleben wollt. Ansonsten kommt der Weiße Wal und….“
„Ach alles Quatsch, Plumpaquatsch, Quakoquatsch, knakoquatsch.“, rief ein kleiner Fisch, „hier ist doch noch gar niemand abhanden gekommen. Alles Quakoquatsch!“
„Und die Seeigel, und die schwarz gefärbten Blauwale und all die anderen?“, fragte Kadesch.
„Quatsch mit Soße, wenn ihr mich fragt, Quakoquatsch.“
„Das ist Quaki, er sieht so wenig als kleiner Fisch, daß er glaubt alles sei in Ordnung“, sagte Kadesch,
Noch einen halben Tag lang diskutierten wir, redeten und redeten, jeder erzählte seine Geschichte, wie er hierher kam in das Schwarze Meer, wie er schwarz wurde; wie manche auch aus anderen Meeren, bloß weil sie schwarz sind hierher verschleppt wurden zum Weißen Wal Prinz Wewa. Niemand wußte, warum Prinz Wewa so grausam war. Doch ein alter Fisch, dessen Flossen schon ein wenig vom Salz des Meeres unansehnlich geworden waren, erzählte uns folgende Geschichte.
„Es gab einmal ein Wal, der lebte im Weißen Meer und war sehr froh dort zu leben. Jedes Jahr gab er ein Treffen der Wale aus allen Meeren der Erde, aus dem Roten, Schwarzen, Grünen, Lilanen und Gelben Meer. Und jeder Wal erzählte von seinem Meer, wie schön es dort sei. Und jede Walfamilie erzählte überstolz und eitel, wie viele Arten Fische in ihrem Meer schwammen und alle in der Farbe ihres Meeres. Und wie es an solchen Treffen üblich ist, trank man viel vom gegorenen Seetang, man trank zu viel, und die Wette kam auf -niemand vermag heute zu sagen von wem- daß die weißen Fische niemals im Schwarzen Meer, die grünen niemals im Lilanen Meer, die roten niemals im Gelben Meer leben könnten, und so weiter und so fort. Das wollte natürlich kein Wal auf sich sitzen lassen, seine Fische konnten in jedem Meer überleben, und so trieben sie all ihre Fische in die anderen Meere. Doch bald kam eine große Hungersnot über alle Meere. Es gab nichts mehr zu essen in ihren Meeren, ihre eigenen Fische waren fort, die fremden Fische durften in den fremden Meeren ja nicht arbeiten. Und so gab es bald nichts mehr zu Essen, in keinem der Meere. Denn die fremden Fische durften in diesem fremden Meer ja auch nicht nach Nahrung suchen. Nach wenigen Wochen verhungerten die meisten Wale und Fische. Davon verschont, so erzählt die Legende, blieben nur das Rote und das Schwarze Meer. Und im Schwarzen Meer überlebte dann auch ein Wal aus dem ehemals Weißen Meer, das untergegangen ist. Und dieser Weiße Wal, meine Lieben schwarzen Freunde ist vermutlich eben jener Prinz Wewa. Und er glaubt immer noch, er müsse alle Tiere aus anderen Meeren hierher jagen. Und er glaubt, alle Tiere die nicht weiß sind, sind häßliche, niedere Tiere. Ja, er hat einfach den Untergang seines Meeres nicht verkraftet. So ist der Weiße Wal zum Tyrannen geworden. Man erzählt sich, daß er zuvor Seesternweitwerfer war, Muscheln gesammelt und die gesamte Sandliteratur gelesen hat. Ja, und das ist aus ihm geworden: Prinz Wewa, gefürchteter Weißer Wal. Traurig, traurig, alles ist so traurig!“
Und mit einem schweren Seufzer schwamm der alte Fisch in das hinterste Gefängniseck.
Was sollten wir tun? Konnten wir denn noch etwas tun? Keines der schwarzen und schwarz gefärbten Tiere sagte noch etwas, manche hatten bereits die Augen geschlossen.
„Zum Glück haben wir uns beide!“, sagte da mein Freund der Schwarz-Weiß-Wal.
„Aber was nützt uns das, wenn wir sowieso gevierteilt oder aufgegessen werden oder was auch immer?“, fragte ich ihn.
Ich überlegte hin und her. Was war zu tun? Das Gefängnisgitter war so fest, daß nicht einmal zwei Riesen es hätten zerstören können. Ich kratzte mit der Pfote am weißen Gitter und hatte das Weiß plötzlich an meiner Kralle. Ja, zwei Riesen reichten nicht aus, das Gitter zu zerstören, auch mein Freund der Schwarz-Weiß-Wal und ich könnten es niemals zusammen aufbrechen, doch all die Gefangenen hier. Ja, wir alle zusammen könnten es schaffen.
„Hört zu. Hört doch alle zu. Wir brechen aus. Wir brechen einfach aus.“
„Warte ab, warte es wird ein gerechtes Urteil ergehen!“, sagte die Krabbe Oporti.
„Laß das Kätzchen reden!“, rief die Delphin-Dame Kadesch.
„Also hört zu. Wir sind hier in diesem Gefängnis mindestens tausend. Und wenn wir nun alle zusammen voller Wucht gegen die Gefängnisgitter anschwimmen, schwupp, so brechen wir sie vielleicht auf!“
„Quark, alles Quark, Quakidiquatsch. Und wenn die uns erwischen hauen sie uns gleich die Flossen ab! Alles absoluter Quakoquatsch.“, sagte Quaki der kleine Fisch.
„Laßt es uns versuchen!“, sagte Kadesch.
„Ja, Flosse an Flosse, alles zusammen mit voller Kraft voraus!“
Und wir versuchten es. Und es klappte nicht.
Wir versuchten es noch einmal und noch einmal. Nach sieben Stößen von all den tausend schwarzen Tieren gegen das Gefängnisgitter brach es auf und wir waren wieder frei -vorerst. Denn schnell kamen schon die ersten kleinen weißen Wal-Wächter angeschwommen und wollten uns zurückdrängen, uns alle wieder einfangen. Aber denen zeigten wir es, wir piecksten sie da, wir piecksten sie dort. Und ich krallte und biß. Und was sah ich da? Wieder hatte ich weiße Farbe an meinen Krallen. Die kleinen weißen Wale waren gar nicht weiß, nein es waren einfache Blauwale wie sich nach und nach zeigte. All meine Freunde -die tausend, die mit uns im Gefängnis gewesen waren- kratzten die Farbe von den weißen Walen, die wir jetzt gefangen hatten, und darunter waren sie blau, blau wie ein Blauwal eben. Und wie sich später noch herausstellen sollte, war selbst Prinz Wewa ein Blauwal, und zwar ein ziemlich dummer Blauwal. Denn als wir ihn erwischten und ihm die Farbe abkratzten, schrie er:
„Ihr seid alle häßlich, ihr seid alle schwarz, bloß ich bin weiß, weiß wie die Wolken, weiß wie Vanilleeis, weiß…weiß…“
Ein Wächter des Prinzen Wewa hatte genug von seinem bösen Wal, packte aus und erklärte uns:
„Selbst das Schwarze Meer ist nicht schwarz. Der Prinz Wewa hat seine sämtlichen Kaviar-Vorräte eingesetzt, um schwarze Tinte zu produzieren und sie in das Meer zu kippen. Nämlich das Meer ist blau, wie alle Meere, bloß der Prinz Wewa wollte, daß alle Tiere, die hierher kommen schwarz werden. Denn schwarz vor Neid wollte niemand werden als sich Prinz Wewa weiß angemalt hatte, so hat er eben das Meer schwarz gemacht.
So endet auch dieses Abenteuer gut. Mein Freund der Schwarz-Weiß-Wal und ich sonnten uns auf dem Schwarzen-Meer, das von Tag zu Tag blauer wurde, durchsichtig, eben wie Wasser. Und der Schwarz-Weiß-Wal wurde wieder schwarz-weiß und ich bekam wieder mein weißes Fell. All die anderen schwarz gefärbten Tiere bekamen auch wieder ihre normale Farbe. Übrigens: der kleine Fisch ist ein Regenbogenfisch und ist jetzt beim Zirkus; die Krabbe Oporti ist Lehrer geworden, die Delphin-Dame Kardasch hat den Delphin Delphi zum Mann genommen und beide schwimmen froh und munter als dichtende Delphine durch alle Länder Meere… -aber darüber ein anderes Mal.